juckplotz

Posts Tagged ‘Zeitgeist’

Gegen das Vergessen

In Allgemein on 20. Februar 2016 at 23:18

TodFünfzehn Jahre nach dem Ende des unsäglichen Krieges, der in der Geschichte „Der Zweite Weltkrieg“ genannt wurde, und doch so anders war als alle Kriege davor, weil es eben nicht „nur“ ein Krieg war, wurde irgendwo im südlichen Deutschland, genauer gesagt, auf der schwäbischen Alb, ein Kind geboren. Es war ein Sonntag ziemlich am Ende des Oktobers, und wenn es nicht Sonntag gewesen wäre, sondern Freitag, dann wäre Weltspartag gewesen. Das nur so nebenbei.
Der Junge war das Kind von Eltern, die den zweiten Weltkrieg als Kinder und Jugendliche erlebt haben. Die Mutter war bei Kriegsende knapp fünfzehn Jahre alt, der Vater siebzehn.
Jungmädelbund und Hitler Jugend waren Bestandteil der damaligen Jugend im „Dritten Reich“. Der Vater des Kindes war als Flakhelfer am Westwall und hat Dinge gesehen, von denen er nie im Detail erzählt hat, auch später nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Werbeanzeigen

Kreisverkehr

In Allgemein on 7. Januar 2016 at 15:22

Leave The CircleVor einiger Zeit habe ich dieses Bild bei einem „Photowalk“ aufgenommen. Ein „Photowalk“ ist im Grunde nichts anderes als ein Spaziergang mit dem Ziel, Bilder zu machen. Und da ich mich meistens schwer aufraffe, die feste Burg meines Heimes zu verlassen (nicht weil ich Angst hätte, sondern weil die innere Schwerkraft meistens gewinnt), ist so ein Aufruf über das Netz zu einem Photowalk ein willkommener „Anschub“.

Verlasse den Kreis – Leave the Circle; diese drei Worte können so viel bedeuten, wenn man darüber nachdenkt. Ich denke, jeder hat Kreise, in denen er sich bewegt, mal gern, mal eher aus Zwang. Welche Kreise brauche ich, um „rund“ zu laufen, welche lassen mich immer wieder in den gleichen Trott zurück fallen. Um was kreisen meine Gedanken, mein Leben? Was passiert, wenn ich den Kreis verlasse?

Spannende Fragen, die einem zu diesem Graffiti einfallen. Ob einem dann auch Antworten einfallen?
Bin auf die Kommentare gespannt…

Beethoven hat Geburtstag

In Allgemein on 17. Dezember 2015 at 19:47

Als ich gerade meinen Rechner startete, und bei Google vorbei sah, wurde mir unübersehbar mitgeteilt, dass Ludwig van Beethoven 245 Jahre alt geworden ist. Ist er natürlich nicht, es ist nur sein 245. Gerburtstag. Trotzdem tat ich innerlich einen Hüpfer, denn mir fiel spontan was ein. Da der Hüpfer beim anschauen der Google Startseite kam, hatte ich also heute Abend quasi einen „Guglhupf“. Ach, da fällt mir ein, ich muss noch was essen (und trinken – wegen „Einstein“, dass der nicht wieder kommt). Also bis gleich.

Hier jetzt die Ursache des Guglhupfs: Nehmen wir mal an, unser Ludwig van B. wäre wirklich noch am Leben, durch irgendeine kosmische Konstellation oder so was ähnlichem wurde er nämlich  irgendwann im Oktober oder November 1826 aus Gneixendorf „weggebeamt“, wahrscheinlich geklont, und sein Klon wurde in Gneixendorf zurückgelassen, weil eben beim Klonen nicht der ganze Beethoven (mit allen Talenten und so) ins „Backup“ gepasst hat.

Beethoven original ist also mal ne Zeit irgendwo, wo es ihm ganz gut zu gehen scheint, anders als seinem Klon, der als „Beethoven“ am 26, März 1827 verstirbt.  Original Beethoven bekommt von wem auch immer alles, was er braucht. Er wird schnell ganz gesund und seine Ohrenoperation ist äusserst erfolgreich. Er kann wieder hören ! Aber irgend etwas ist schief gegangen: Beethoven bleibt einfach stehen. Altermässig. Er altert nicht mehr. Er bleibt moment: (2015-245+1826)*-1=56 Jahre alt. Und das ist, wenn es nicht viel anders ist, als 55 zu sein, ein tolles Alter. Den Rest des Beitrags lesen »

Verantwortung übernehmen durch Rücktritt ?

In Allgemein on 23. September 2015 at 19:20
VW Käfer

VW Käfer Foto: © J.Wagner

Die Vorgänge im Volkswagen Konzern haben den Ausschlag gegeben zu diesem Artikel. Wobei die Gedanken jetzt nicht ausschliesslich auf den aktuellen Anlass beschränkt sind.
Herr Winterkorn zieht die Konsequenz aus dem Skandal, übernimmt die volle Verantwortung, ohne dass er etwas von den Manipulationen gewusst hat – und tritt zurück.
Ich frage mich, ob ich volle Verantwortung für Vorgänge übernehmen kann, von denen ich keine Kenntnis hatte. Und ob dann ein Rücktritt wirklich „Verantwortung übernehmen“ heisst… Den Rest des Beitrags lesen »

Sammelfreie Zone

In Allgemein on 5. Februar 2015 at 13:01

Man kann ja zum Pfand für PET Flaschen stehen, wie man will, aber es ist einfach so, dass es Geld gibt, wenn man die Flaschen bei den Sammelstellen ab gibt. Nun gibt es jedoch Situationen, in denen der aus PET Flaschen Flüssigkeit konsumierende Kunde keine Chance hat, die Flaschen ordnungsgemäss zurück zu geben. Meist passiert dies, wenn man unterwegs ist, und es einfach leid ist, die Flaschen noch ewig lange im Rucksack oder sonstwo mit sich rum zu tragen. Also werden die Flaschen – hoffentlich – im Mülleimer entsorgt. Im öffentlichen Mülleimer. Ganz klar wird damit auf das Pfand verzichtet, es verschwindet das Geld quasi im Müllbehälter.
Menschen, denen ein paar Cent mehr oder weniger nicht egal sein können, haben sich in den letzten Jahren diese Flaschen aus dem Müll geholt und sie dem Recycling Kreislauf wieder zugeführt und sich das Pfandgeld geholt. Dies hat niemandem weh getan, im Gegenteil, es hat denen geholfen, die auf jeden Cent angewiesen sind. Den Rest des Beitrags lesen »

Quengelfreie Zone

In Allgemein on 14. Januar 2015 at 21:34

Mir ist ja fast das Abendbrot im Hals stecken geblieben, als ich das gehort habe: SPD und CDU möchten erreichen, daß die Süßigkeiten aus dem Kassenbereich der Supermärkte verschwinden. Es soll also eine „quengelfreie Zone“ geschaffen werden.
Ja geht’s noch? Was soll denn noch alles reglementiert werden? Auf der einen Seite der große Aufschrei gegen die Bevormundung,  aber wenn wir dadurch aus der Pflicht genommen werden, unseren Zwergen klar zu machen, daß es nicht jedes Mal, wenn man an der Kasse wartet, etwas Süßes gibt, dann begrüßen wir jede Einschränkung.
Klar kann es zu einer Stresssituation kommen, wenn man in der Reihe ungeduldig Wartender mit seinem Kind steht und dieses immer wieder fragt,  ob es die Bonbons haben könne.  Und dies ist noch die harmlose Variante. Ich habe schon schreiende und sich auf den Boden werfende Kids miterlebt, begleitet von entschuldigend in die Menge grinsenden Müttern und Vätern,  die nicht wussten, was sie tun sollten.
Entscheidet sich die Erziehung nun im „Quengelbereich“ vor der Kasse?
Oder was ist der Hintergrund dieses Vorstoßes?
Keine Staus mehr an den Kassen, hervorgerufen durch am Boden liegende Kinder oder überforderte Eltern?
Verbraucherschutz, weil wir selbst nicht einmal in der Lage sind, zu entscheiden,  was wir kaufen?
Was wird dann aus den „Kurzen“, in dem Fall meine ich die kleinen alkoholhaltigen Getränke,  die sich der Eine oder die Andere auch gerne noch abgreift, wenn er an der Kasse steht?
Tabakwaren bleiben im Kassenbereich, denn da muss ja explizit „der Safe“ aufgemacht werden.
Ich bin gespannt, was dann in den freigewordenen Raum vor der Kasse gepackt wird.
Vielleicht etwas, wo dann die Eltern schnell zugreifen. Und die haben ja ihr eigenes Geld und müssen nicht quengeln.
Ob dann aber die Kinder nicht wieder Stress machen, wenn Mama und Papa im Kassenbereich sich was gönnen und Kind nur so da steht?
Und: Glaubt bitte nicht, dass durch diese Maßnahme die Erziehung einfacher wird.
Im Übrigen: Bitte denkt doch auch mal an den Unterhaltungswert im Kassenbereich.  Wenn du da in der Reihe stehst, und Marvin-Sören geht ab wie Schnitzel, weil er kein Hobbit-Hubba-Kaubonbon bekommt…. hey das ist Reality TV , eben nur ohne TV.

Lebkuchenverkauf schon jetzt? – Ein Gesetz muss her

In Allgemein on 23. September 2014 at 14:13

Die Bundesbürger als Konsumenten gehören geschützt. Geschützt vor der Willkür des Handels, geschützt vor dem Angebot von Artikeln, die es um diese Jahreszeit einfach nicht geben darf. Wo kommen wir denn hin, wenn es jetzt schon Lebkuchen im Angebot geben darf? Wie weit ist es denn dann noch bis zu der Situation, dass es Osterhasen schon an Silvester gibt? Und der Gesetzgeber schaut zu? Tut nichts, um uns vor unüberlegter Kaufwut zu schützen? Ich sehe uns alle schon im Spätsommer auf der Parkbank sitzen und statt Eiscreme Lebkuchenherzen essen. Statt eines Sommersalates einen Christstollen und statt IsoDrinks Glühwein. Das geht entschieden zu weit und ich hoffe, dass das Verantwortungsgefühl des Gesetzgebers nicht ganz abhanden gekommen ist, und schnellstens per Gesetz diesem Treiben Einhalt geboten wird. Wir sind schliesslich mündige Bürger, die selber entscheiden wollen, was sie kaufen oder nicht, aber zumindest die angebotene Ware sollte per Gesetz vorher im Sortiment eingeschränkt werden.
Und überhaupt: Denkt eigentlich jemand an unsere Kinder, die solchen Angeboten wehrlos ausgesetzt sind? Wer weiss, zu welchen Spätfolegn und sozialen Störungen es da kommen kann.

(Falls es dem einen oder anderen nicht auffallen sollte: Der Artikel ist als Ironie gedacht)

Reduziert Reduziert

In Allgemein on 30. Januar 2014 at 13:31

Werbung nimmt zum Teil schon komische Formen an.
Sitze ich doch dieser Tage in meinem Auto und höre im Radio die unvermeidliche Werbung vor den Nachrichten.

Was höre ich da: „Nicht nur reduziert, sondern reduziert reduziert“

Also reduziert ist mir klar, das heisst, dass irgendwas weniger wird, also nach einer Preisreduktion muss ich weniger bezahlen als vorher.

Aber was passiert, wenn ich die Reduktion reduziere? Da wird doch der Preisnachlass weniger, ich bezahle also wieder mehr als vor der reduzierten Reduktion, oder?

Sogar wenn ich die reduzierte Reduktion nochmals reduziere, komme ich maximal auf die erste Reduktion, oder?

Aber ich bin kein Werbefachmann, kein Sprachwissenschaftler, also habe ich vielleicht was falsch verstanden.

Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.

In Allgemein on 10. Mai 2013 at 17:06

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”
Heinrich Heine  1821 (aus „Almansor“)

Heute gedenken wir der „Bücherverbrennung“ in Deutschland vor achtzig Jahren; einem Vorfall, der zumindest uns Deutsche immer in mahnender Erinnerung bleiben muss.

Bücherhinrichtungen sind seit Menschengedenken ein Zeichen dafür, dass sich Menschen mit dem Gedankengut anderer Menschen nicht argumentatorisch auseinandersetzen können, beziehungsweise, anderes Denken als das Eigene nicht zulassen können.

So schlimm die Bücherverbrennung vor 80 Jahren in Deutschland war, so war sie nur ein kleines Steinchen in der Lawine, die über Europa hereinbrach, als der Nationalsozialismus bestimmen wollte, wie gedacht werden soll, und wer überhaupt leben darf.

Leider sind Bücherverbrennungen seitdem nicht Geschichte, sondern finden auf der Welt immer wieder statt. Manchmal als Tat eines Einzelnen, oft aber auch als Tat von Gruppen, die meinen, sie müssten sich als Wächter von Ordnung, Erziehung und anderen allgemein gehaltenen Begriffen, aufspielen.

In Heinrich Heines „Almansor“  wurde der Koran auf den Scheiterhaufen geworfen; ein US amerikanischer Prediger hat dies vor ein paar Jahren wiederholt. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts haben Mitglieder des Bundes entschiedener Christen „Bravo“ Hefte und Sex Magazine verbrannt, 2001 wurden in Amerika Harry Potter Bücher verbrannt.

Die Liste liesse sich schier endlos fortsetzen und zeigt nur eines: Diejenigen, die Bücher hinrichten, würden am liebsten auch die Menschen „verbieten“, die diese Bücher geschrieben haben.

Auch ich bin nicht mit jedem „Erguss“ einig, der Einzug in die Literatur gehalten hat, aber ich kann mich entscheiden, ein Buch zu kaufen, es zu lesen, oder es eben auch ungelesen liegen zu lassen. Aber ich darf mir nie anmassen, ein Buch „hinzurichten“, am allerwenigsten als öffentliche Aktion.

Bücherverbrennung ist nicht Geschichte, sondern Gegenwart. Und wir sollten alles daran setzen, dass in Zukunft diese Aktionen Geschichte sein werden.

Die neue Angst vor Konfrontation

In Allgemein on 8. November 2012 at 22:55

Es war mal wieder was im Busch. Man konnte es spüren. Die Verantwortlichen der Personalabteilung und sogar der Abteilungsleiter glänzten die letzte Zeit durch Abwesenheit oder zeigten durch das Schliessen ihrer Bürotür, dass sie nicht gestört werden wollten.

Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma kam Unruhe auf, die sich in immer ausgedehnteren Diskussionen in den Kaffee- und Raucherecken zeigte. Aus verschiedenen „zuverlässigen“ Quellen kamen die Gerüchte, dass wieder einmal eine Änderung, eine Umstrukturierung im Gange sei.

Endlich, die Einladung zu einer Betriebsversammlung. Und die Enttäuschung nach der Versammlung. Klar wurde von Einschnitten, Einsparungen und notwendigen Änderungen gesprochen, aber auf Anfrage, was es nun konkret für die Belegschaft heisse, wurde mitgeteilt, es gebe noch keine konkreten Pläne und man werde dann zur gegebenen Zeit informiert.

Ein paar Tage später war klar, dass einige die Firma verlassen müssen. Aber man sei noch nicht ganz sicher, welche Abteilungen es treffen würde.

Komischerweise hatten dann einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am nächsten Morgen die Kündigung im Briefkasten…
Kommt Ihnen so was auch bekannt vor? Viele Bekannte berichten mir unabhängig voneinander ähnliche Begebenheiten. Und interessanterweise ausnahmslos von Unternehmen, die modern geführt werden, bei denen „Teamwork“ und „Gemeinsam sind wir stark“ Parolen unter die Belegschaft gestreut werden, wie Trockenfutter im Streichelzoo.

Und genau diese Führungskräfte, die das „wir sind ein Team“ zum Evangelium hochstilisieren, trauen sich dann nicht, den Mitgliedern dieses Teams reinen Wein einzuschenken, sich konkreten Fragen zu stellen, eine Kündigung persönlich auszusprechen, sich vielleicht auch mal böse Blicke einzuhandeln oder sehen zu müssen, wie Menschen ob der Kündigung mit Tränen kämpfen.

Ich frage mich, ob die früheren „Chefs“ nicht mehr Mut hatten, als alle die neuen Führungskräfte, die sich hinter wohlklingenden Abkürzungen und einem vollen Terminkalender verstecken. Und ich bin traurig, dass das Wort „Human“ in „Human Ressources“ immer mehr vergessen wird.

Liebe CEOs, HR-Chefs und wie Sie immer sich nennen mögen: Wir wollen ehrliche Aussagen, wollen die Möglichkeit, Ihnen in die Augen zu sehen, wenn Sie uns Maßnahmen erklären. Wir sind auch fähig, zu begreifen und zu akzeptieren. Ich denke, Ihnen allen würde eine Wertschätzung zu Gute kommen die etwa so lauten würde: „Ok, es ist schon Mist, dass ich jetzt auf der Strasse sitze, aber mein Chef hat sich wenigstens die Zeit genommen, mit mir zu reden, mir versucht es zu erklären, und ist nicht vor der schwierigen Aufgabe geflohen.“