juckplotz

Posts Tagged ‘Gegen das Vergessen’

Mein Gewissen schmerzt mich noch immer, dass ich nicht mehr tun konnte

In Allgemein on 12. August 2017 at 19:04

Diesen Satz sagte vor zehn Jahren eine Frau, die ihr Leben einsetzte, um andere Leben zu retten. Von einer Frau, die rund 2500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto vor dem sicheren Tod rettete.
Diese Frau wurde 2007 für den Friedensnobelpreis nominiert, den dann am Ende Al Gore für einen Film erhalten hat, der die Welt bezüglich der Klimaerwärmung aufrütteln sollte.

Al Gore war Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika, deren heutige Regierung aus dem Klimaschutzabkommen aussteigt und die mit „America First“ zeigt, dass wirtschaftliche Interessen (heute) wichtiger sind als alles andere.

Irena Sendler, von der ich hier ein wenig berichten möchte, hat also nicht den Friedensnobelpreis bekommen. Bescheiden, wie sie war, hätte sie bestimmt gemeint, dass sie ihn nicht verdient hätte.
Kurz vor ihrem Tod wurde sie vom Parlament in Warschau zur nationalen Heldin ernannt. Der damalige Präsident Lech Kacynski bezeichnete sie als “ Symbol für alle Polen, die während der Besatzung durch die Nazis ihr eigenes Leben riskiert hätten, um das vieler Juden zu retten“. Und:“Sie verdient großen Respekt von der gesamten Nation.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Du bist nicht schuldig – Du hast nur Verantwortung für die Zukunft

In Allgemein on 24. September 2016 at 19:48

Max Mannheimer ist heute gestorben. Der Mahner und Versöhner, einer der letzten Überlebenden des Holocaust, ist heute im Alter von 96 Jahren gestorben.

Wie immer kann man die Fakten und das Leben Max Mannheimers auf Wikipedia nachlesen. Deshalb hier auch keine Aufzählung seiner Verdienste.

Viel wichtiger ist für mich eine der vielen Aussagen dieses Mannes. Eines Menschen, der nicht auf Vergeltung pochte, sondern der gegen das Vergessen anging und auf Versöhnung setzte.

Zu den Jugendlichen, die sich bei Max Mannheimer entschuldigten, was Ihre Vorfahren ihm und seinen Leidensgenossen angetan hatten, sagte er „Du bist nicht schuldig, Du hast Verantwortung für die Zukunft“

Ich frage mich, was einfacher ist: Sich für Dinge zu entschuldigen, die ich selbst nicht direkt verschuldet habe, oder die Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Mir ist dieser Satz sehr wichtig geworden. Verantwortung haben. Nicht sich hinter der Vergangenheit und der damaligen Schuld zu verstecken, sondern dazu beizutragen, dass es in meiner Gegenwart und in der Zukunft, die ich mitgestalten kann, so was nicht mal mehr ansatzweise passiert.

Ich wünsche mit, dass der Satz von Max Mannheimer in unsere Welt hinausgetragen wird, dass er Früchte trägt, dass er Menschen findet, die ihn für sich und ihr Leben annehmen und die Verantwortung übernehmen.

Ich bin mir sicher, dass dies Max Mannheimer mehr beeindrucken und gefallen würde als jede Hommage und jedes „RIP“ Posting

Gegen das Vergessen: 8. August 1944 – Zugfahrt nach Westerbork

In Allgemein on 9. August 2016 at 13:40

Endlich an der Luft, die frische Luft, die ich so sehr vermisst habe.
Befehle, Schreie, Menschen, die Menschen irgendwohin treiben
Menschen, die andere Menschen verraten, belügen
Menschen, die anderen Menschen Leid zufügen
Zwei Klassen von Menschen. Menschen mit und ohne Stern.
Trotzdem Menschen
Wir wurden verraten.
Warum mussten wir uns verstecken?
Jetzt kommen wir in ein Straflager
Weil wir uns nicht freiwillig gemeldet haben
Warum sollten wir uns melden?
Weil wir Juden sind?
Weil wir eine Gefahr sind?
Für wen?
Für die Menschen?
Für die Deutschen?
Für die Niederländer?
Wir kommen in die Waggons
Ganz normale Waggons
Mit Fenstern
Die Türen werden von aussen geschlossen
Aber die Fenster sind nicht verdunkelt
Ich sehe die Landschaft
Felder, Wiesen
Ich sehe den Himmel und die Wolken
Es ist Sommer
August
Und ich bin tagsüber endlich wieder „draussen“
Das Versteckspiel hat ein Ende
Ich bin erleichtert
Glaube, dass doch alles gut wird
Ich will nicht nachdenken
Nicht jetzt
Habe so viel nachgedacht
Habe so viel geschrieben
Ich will einfach das Licht geniessen
Die Sonne
Den Sommer
Durch die Glasscheiben
Des Zuges, der uns ins Straflager bringt
Wir werden bestraft, weil wir anders sind
Und Menschen brauchen Menschen, die anders sind
Menschen, die an allem schuld sind
Menschen, die man bestrafen kann
©Jörg Wagner Den Rest des Beitrags lesen »

Gegen das Vergessen

In Allgemein on 20. Februar 2016 at 23:18

TodFünfzehn Jahre nach dem Ende des unsäglichen Krieges, der in der Geschichte „Der Zweite Weltkrieg“ genannt wurde, und doch so anders war als alle Kriege davor, weil es eben nicht „nur“ ein Krieg war, wurde irgendwo im südlichen Deutschland, genauer gesagt, auf der schwäbischen Alb, ein Kind geboren. Es war ein Sonntag ziemlich am Ende des Oktobers, und wenn es nicht Sonntag gewesen wäre, sondern Freitag, dann wäre Weltspartag gewesen. Das nur so nebenbei.
Der Junge war das Kind von Eltern, die den zweiten Weltkrieg als Kinder und Jugendliche erlebt haben. Die Mutter war bei Kriegsende knapp fünfzehn Jahre alt, der Vater siebzehn.
Jungmädelbund und Hitler Jugend waren Bestandteil der damaligen Jugend im „Dritten Reich“. Der Vater des Kindes war als Flakhelfer am Westwall und hat Dinge gesehen, von denen er nie im Detail erzählt hat, auch später nicht. Den Rest des Beitrags lesen »