juckplotz

EU-DSGVO und meine Bilder

In Allgemein, Fotografie on 2. Mai 2018 at 19:40

Werden solche Bilder bald nicht mehr möglich sein? Bild: J.Wagner

Ende Mai, genauer gesagt, am 25. Mai 2018 ist es soweit. Dann tritt die EU-DSGVO (europäische Datenschutz Grundverordnung) in Kraft – und dieser Blog vielleicht ausser Kraft. Wenn ich nämlich bis dahin nicht alle Punkte der DSGVO in diesem WordPress-Blog nicht umsetzen kann (weil ich vielleicht gar nicht genau weiss, was wordpress.com mit einzelnen Daten macht).

Ich halte Datenschutz für wichtig, keine Frage. Man soll nicht einfach Daten von anderen sammeln, um sie vielleicht später gewinnbringend zu verwenden. Somit ist die EU-DSGVO ganz in Ordnung.
Nur leider nicht durchdacht, da sie wieder viel Raum für diejenigen unter den Anwälten bietet, die ihr Geld durch Abmahnungen „verdienen“.
Dies ist ein privater Blog, aber was gilt dann für mich in der DSGVO?
Und die Webseite meiner Kirchengemeinde, meines Vereins? Liebe Ehrenamtliche – aufpassen !!!!

Das Hauptthema dieses Artikels soll jedoch nicht das EU-DSGVO an sich sein, sondern die Auflagen, die aus dem Gesetz für digitale Bilderverwaltung und -veröffentlichung entstehen.

Im Netz gibt es einige gute Artikel, die das Thema „Bild und DSGVO“ sehr ausführlich behandeln. Ich möchte mich hier nur auf ein paar Punkte beschränken, die darstellen sollen, dass das DSGVO die digitale Fotografie in manchen Bereichen unmöglich macht.
Warum rede ich nur über digitale Fotografie? Weil die analoge Fotografie, bei der man nicht auf Speciherchips schreibt, sondern einen Film belichtet, nicht unter das DSGVO fällt und somit weiterhin nach den uns geläufigen Regeln des Persönlichkeitsrechts etc. behandelt wird.

Schon heute haben Menschen, die nicht als „Beiwerk“ (welch ein Wort) in einem Bild erscheinen, ihr Einverständnis zur Fotoaufnahme zu erklären. Das kann schriftlich oder mündlich oder sogar durch eindeutige Gesten erfolgen. Wenn ich bei einem Fschingsumzug zum Beispiel mit einer im Umzug mitlaufenden Person Augenkontakt aufnehme, auf meine Kamera zeige und die Person mir durch den erhobenen Daumen signalisiertm dass es ok ist, dann hat dies bis dato genügt. Ich habe diesbezüglich auch noch nie gehört, dass es da Probleme gegeben hätte.

Laut DSGVO muss heute jedoch vor der Aufnahme eine Erklärung unterschrieben werden:
„Das Fotografieren erkennbarer Personen stellt eine Datenerhebung im Sinne der Datenschutzgesetze dar und bedarf als Handlung der Datenverarbeitung einer gesetzlichen Legitimation. Eine „Heilung“ der Fotoaufnahmen, die ohne Rechtsgrundlage erstellt wurden, mittels einer nachträglichen Einwilligung kann nach der DSGVO nicht erfolgen. Die Einwilligung muss also stets vor Beginn der Fotoaufnahmen eingeholt werden.“

„Erkennbare Personen“ bezieht sich damit auch auf die Zuschauer beim Faschingsumzug, die auf der anderen Strassenseite stehen und früher das berühmte „Beiwerk“ waren.

Anderes Beispiel:
Sie sollen Hochzeitsfotos machen. Den Auftrag vom Brautpaar haben Sie. Da kann man auch gleich die Formalien nach DSGVO abhandeln.
Aber laut Gesetz müssen Sie jetzt von jedem der Hochzeitsgäste VOR den Aufnahmen einen Vertrag unterschreiben lassen.

Geht ja noch…
Fussballspiel im ländlichen Raum. Sie sind der Vereinsfotograf. Natürlich sind die Fussballspieler, Trainer und Schiedsrichter nach DSGVO unterrichtet und einverstanden und haben unterschrieben.
Laut DSGVO gehen Sie jetzt erstmal zu jedem Zuschauer, denn er könnte ja irgendwann sichtbar ins Bild kommen, obwohl man den Torwart als Hauptakteur fotografiert hat, und erklären ihm, was mit seinem unscharfen, aber dennoch erkennbaren Bild (weil bloss d´r Erwin hot so an pinken Trainingskittel) geschehen wird.

In Zukunft brauchen Sie keine Stadtfotografien zu machen, auf denen Menschen zu erkennen sind, bevor Sie nicht alle Einwilligungen haben.

Ach ja, und das „Mit Betreten unserer Ausstellung willigen Sie ein, eventuell auf den von uns gemachten Bildern zu sein“, oder „Konzertbesucher willigen mit dem Kauf ihrer Eintrittskarte ein, eventuell abgelichtet zu werden“….
Das geht auch nicht mehr.

Und zusätzlich:
Laut DSGVO kann jede und jeder basierend auf den Daten, die der Fotograf gespeichert hat, die Löschung der Daten verlangen. Auch wenn vorher ein Vertrag gemacht wurde. Auch wenn das Model bezahlt wurde.

Ok, vielleicht habe ich nicht alles 100% verstanden. Bin offen für alle konkreten Korrekturen.

Wichtig erscheint mir, dass zwischenzeitlich Schweden und auch Österreich Klarheit geschaffen haben und die DSGVO im Bereich Fotografie den bereits geltenden Rechten untergeordnet haben.

Ich unterschreibe bei weitem nicht jede Petition, bin jedoch bei der Diskussion der EU um „Panoramafreiheit“ mit der damaligen EU Ministerin in Kontakt getreten und habe auch jetzt die
Online Petition unterschrieben, die man mit diesem Link aufrufen kann:
https://www.openpetition.de/petition/online/aufhebung-der-eu-datenschutz-grundverordnung-dsgvo-fuer-fotografen-agenturen-kunst-presse

 

Abschliessend ein paar Links für Interessierte:

Link zur DSGVO (Intersoft Consulting)

https://natur-photocamp.de/dsgvo-fuer-fotografen/

http://nordbild.com/foto-einwilligungen-dsgvo/

Advertisements
  1. Ich glaube, nirgends sonst bringt die neue Datenschutzgrundordnung so extreme Veränderungen für eigentlich die ganze Bevölkerung mit sich, wie in Bezug auf das Fotografieren. Für die Fotografie in der Öffentlichkeit – selbst ohne Absicht der Veröffentlichung, wird ein völlig neuer, eisiger Wind wehen. Tja, speichern – so heißt es – selbst speichern von Personenfotos wird dann nicht gestattet sein!

    Man kann mutmaßen, ob das jahrelange, unüberlegte bis hin zu schamlose Verhalten von Leuten, die ungefragt Aufnahmen anderer Personen, womöglich noch in prekären Lagen, ins Netz stellten, dazu beigetragen hat, diese neue Lösung zu schaffen. Jedenfalls sind die neuen Regeln extrem!

    Jörg, es wäre sehr schade, wenn du deinen Blog nicht mehr führen würdest! Auch ich bin mir nicht sicher, ob ich mit meiner neuen, aktualisierten Datenschutzerklärung und der Eliminierung diverser Sachen aus dem Blog genug gemacht habe, um vor Problemen geschützt zu sein. Ich versuche es jedoch jetzt so, betrachte zudem dreimal alles genau, bevor ich es als blogtauglich sehe und hoffe das beste …

    LG Michèle

    • Liebe Michèle
      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, Regeln gibt es meist da, wo etwas nicht ohne funktioniert. Die „neuen“ (schon seit 2016 verabschiedeten) Gesetze sollen verhindern, dass unsere Daten unkontrolliert „umeinanderschwirren“. Und doch habe ich das Gefühl, dass es wieder darauf hinausläuft, dass nicht die, die heute schon bewusst sich nicht um die Rechte kümmern, Lücken finden werden und die „Kleinen“ ängstlich jeden Tag warten, ob sie irgendwo abgemahnt werden.
      Schweden hat in Bezug auf Fotos eine klare Entscheidung getroffen, in Deutschland wartet man auf Gerichtsurteile, die ja erst gesprochen werden, wenn es zum Rechtsstreit kommt. Entscheidungen aussitzen oder Arbeitsbeschaffung?

      Grüsse aus dem Süden
      Jörg

  2. Ich lege mein Blog ab nächste Woche still, Bus zumindest WP sich an die neue Datenschutzverordnung angepasst hat. Es geht ja nicht nur um Fotografien, sondern reicht noch viel weiter (Kommentare/Gästebücher etc.)

    Es wird auch soziale Medien einholen. Ich stimme Michele zu: Es ist dem Mißbrauch zu verdanken – ebenfalls nicht nur im Bereich der Fotografie.
    Es ist traurig.

    Liebe Grüße
    Sylvia

    • WP ist momentan kräftig am werkeln. Kann also bis zum 25. noch gut was draus werden. Ich sehe bei den Blogs und Webauftritten weniger das Problem, da man die Einstellungen macht und gut ist es.
      Kritisch ist, dass ein digital gemachtes Bild automatisch unter das digitale Recht fällt, während ein analoges Bild ja quasi keine Daten speichert. Bei diesen Aufnahmen gilt weiterhin das „alte“ Recht. Ich hoffe, dass in den nächsten Wochen noch ein wenig Bewegung in die Sache kommt, ähnlich wie damals bei der Panoramafreiheit.
      Gruss
      Jörg

    • Es ist schade, dass einige Blogs verschwinden. Es ist aber auch verständlich, dass sich die Blogbetreiberinnen und -Betreiber nicht in der unsicheren Grauzone bewegen wollen und das Risiko eingehen, eventuell bestraft zu werden.

      Ich hoffe, dass es mit der Zeit mehr Klarhei gibt, und dass es auch ohne lange Gerichtsverfahren geht, sondern mit Logik und klaren Aussagen. Nach dem Hype VOR dem 25. Mai ist es jetzt wieder erstaunlich ruhig geworden.
      Liebe Sylvia, ich werde sicher weiterhin ein BEsucher sein, dann eben auf der „altbewährten“ Webseite
      Viele Grüsse
      Jörg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.