juckplotz

Freilandhühner demonstrieren für Käfighaltung

In Allgemein on 31. Juli 2016 at 20:14

F08A4670Diesen Satz habe ich gerade auf Twitter gelesen. Im Zusammenhang mit der (zum Glück friedlichen) Demo der Erdogan Befürworter in Köln.
Ich fand den Satz sehr gut, abwohl ich mir nicht anmassen möchte, ein Türkei Kenner zu sein. Aber ein paar Gedanken darf ich mir schon machen. Und wenn jemand aus dem Kreis dazu beitragen kann, meine Meinung zu korrigieren (dabei meine ich ein anständiges und konstruktives Kritisieren – Beleidungen werden gelöscht bzw. nicht genehmigt… die Freiheit nehme ich mir hier)

In der Türkei existiert eine gewählte Demokratie. Obwohl ich grosse Bedenken habe, ob diese Demokratie die Züge einer Demokratie noch lange trägt, wenn ich sehe, wie unliebsame Zeitgenossen dort eingesperrt werden, ihnen die Rechte entzogen werden. Aber die Türkei ist ein eigenständiges Land. Die Einflussnahme anderer Länder auf die Türkei ist begrenzt, und die Einflussnahme der Türkei auf Deutschland, auf die EU sollte das auch sein.

Es ist klar, wir haben hier viele türkische Mitbürger, die ihre Wurzeln, ihre Heimat in der Türkei haben. Wenn ich in einem anderen Land arbeiten würde (tu ich) und leben würde (tu ich nicht), dann würde es mich auch nicht kalt lassen, was in der Bundesrepublik Deutschland geschieht. Ich frage mich nur, welches Land, sei es auch noch so demokratisch, bei einer Demo Videoeinspielungen von Politikern aus einem anderen Land zulassen würde, die praktisch ihre Fans aus der Ferne „steuern“. Oder gar Politiker an der Demo teilnehmen lassen.

Warum darf man bei uns auf der Strasse für eine Todesstrafe in der Türkei demonstrieren? Dürfen und können unsere Gesetze, welche dazu dienen sollten, unsere Freiheit nach dem Dritten Reich zu garantieren („Nie Wieder“), jetzt von Menschen genutzt werden, um eine zumindest fragwürdige Entwicklung in der Türkei zu unterstützen?

Ich denke, es ist Zeit, aufzuwachen und der Türkei ganz klar zu zeigen, dass wir mit einer solchen Regierung nicht kooperieren. Dies heisst nicht, dass wir unser Verhalten den Menschen gegenüber verändern. Es heisst, dass wir nicht aus falscher Angst vor der Zukunft jetzt nicht hinstehen und unser Land dazu hergeben, dass sich hier eine Plattform für eine sich anbahnende totalitäre Regierung in der Türkei bildet.

Und deshalb: Hier demonstrieren Menschen, die unsere freiheitlich-demokratischen Möglichkeiten (aus)nutzen, um in einem anderen Land gerade diese Freiheiten zu verbieten.

Musste ich loswerden.

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  1. Sehe ich exakt ganz genau so!

  2. Man darf nicht vergessen, die in Köln demonstrierenden Türken/Deutschen sind, auf die Gesamtzahl türkischer Bürger gesehen, nicht die türkische Mehrheit. Ich denke, Erdogan weiß das und versucht deshalb, diese Demo für seinen Plan zu nutzen.

  3. Ich bin ganz deiner Meinung. Ich dachte,weil in Augsburg war vor einigen Tagen ebenfalls eine Kundgebung von Türkischen Mitbürgern, die in rote Fahnen gehüllt vor dem Rathaus türkische parolen riefen, da dachte ich: Was wäre wenn lauter Deutsche Mitbürger in schwarz-rot-gold gehüllt Parolen riefen? Dann wären sie Nationalisten. aber vordergründig geht es darum das ich nicht möchte, dass ich persönlich nicht möchte, das die Bürger eines Staates, der in meinen Augen mittlerweile seine Demokratie eingebüsst hat, hier demonstriert, ja, mich hat das eigentlich richtig genervt. Ganz emotional. Kat.

  4. A priori muss ich sagen, dass der Beitrag diferenziert ist und als konstruktive Kritik zu bewerten ist.
    Als Kind eines Gastarbeiters habe ich den Vorteil sowohl die türkische als auch die hiesige deutsche Medien zu konsumieren.
    Es erschreckt mich wie gezielt einseitig die deutsche presse über die Türkei berichtet. Ich gehe nicht soweit wie meine AFD- Freunde (Stichwort Lügenpresse), aber es müsste der “ Presseethik“ , falls es sowas gibt, widersprechen, wenn Reporter wichtige Hintergründe weglässt. Es gibt diesbezüglich sehr viele Beispiele. Weil die deutsche Politiker und teile der Bevölkerung den Reporter Deniz Yücel plötzlich liebt, hier ein Beispiel bezüglich der journalistischen Qualität an Berichterstattung. Die türkische Seite behauotet, dass der Journalist sich ein Monat im deutschen Konsulat oder Residenz des Konsuls in Istanbul aufgehalten hat, bevor er sich der Polizei stellte….
    Warum geht niemand auf diese Behauptung ein? Wenn sie falsch ist, warum werden türkische Politiker nicht lügengestraft. Sollte die Behauptung wahr sein, so würde die Angelegeheit übelst stinken. Es ist nicht Selbstverständlich, dass ein normaler Bundesbürger im solange im Konsulat beherbergt wird. Für nicht deutschgebürtige Bundesbürger ist eher fas Gegenteil die übliche Praxis. Für Interessierte: googelt den Fall Mzee.
    Oh Schreck… Dass ich soviel schreiben könnte hätte ich nicht gedacht.
    Moral der Geschichte ist, dass die Politiker und die Presse unfair mit uns den Bürger umgehen. Als letzte Bemerkung…
    Oft werden wichtige Gesetze im Schatten solcher populistischen Diskussionen verabschiedet. Seid wachsam nicht alles was glänzt ist Gold. Kaya

    • Vielen Dank für den Kommentar. Ich denke, es ist allgemein schwer, alle Informationen objektiv zu bekommen und dann auch zu bewerten. Und es ist richtig, dass viele Dinge im Zuge der Berichterstattung (bewusst oder unbewusst) gekürzt werden und damit oft auch die Zusammenhänge nicht mehr erkennbar sind. Und auf jeden Fall kann ich unterstreichen, dass wir als Bürger wachsam sein sollten. Auch eine an sich (noch) gut funktionierende Demokratie läuft pausenlos in der Gefahr, aufgeweicht und ausgedünnt zu werden.
      Nochmals vielen Dank für Deine Meinung, die wirlich sachlich ist und ohne „Kraftausdrücke“ auskommt.
      Gruss
      Jörg

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