juckplotz

Die Sache mit der Deutschlandfahne

In Allgemein on 14. Juni 2016 at 00:04

deutschlandfahnenEin unsäglicher Krieg, massenhafte Ermordung von Menschen, Hassparolen und unendliches Leid, ausgehend von einem Land, welches Deutschland hiess, hat den Bewohnern dieses Landes für einige Jahrzehnte den Stolz auf dieses Land genommen. Den meisten wenigstens. Manchen nicht. Aber dieses Deutschland hat sich nach diesem unsäglichen Krieg, nach der Diktatur der Vernichtung gewandelt. Es entstand ein Grundgesetz, auf dem Demokratie gebaut wurde ( und hoffentlich noch wird), in dem die Menschenwürde und die Religionsfreiheit verbrieft wurden.

Dieses Deutschland hat nach dem Dritten Reich versucht, mit der Schuld, die auf ihm lastete, verantwortungsvoll umzugehen. Es gab gute Momente, es gab weniger gute Entscheidungen und Statements. Aber meiner Meinung nach hat Deutschland sich langsam wieder die Anerkennung der Staaten und derer Menschen erarbeitet, die lange Jahre in Deutschland immer noch das Land der Nazis, der Judenverfolger und der Kriegstreiber gesehen hat.
In Deutschland wird wie in kaum einem anderen Land darauf geachtet, ja keinen Fehler in Bezug auf die Vergangenheit zu machen. „Nie wieder“ haben wir uns auf die (Deutschland) Fahne geschrieben und ein Grossteil der deutschen Bevölkerung meint es auch heute noch so.

Die letzten Jahre haben wir uns langsam wieder zu unserem Land bekennen dürfen. Ich mag die Worte „Nationalstolz“ und „Patriotismus“ und „Vaterland“ nicht, aber ich habe mich gefreut, dass wir uns nicht mehr verstecken. Was nicht heisst, dass wir die Vergangenheit vergessen.

Ich bin ja so gar kein Fussballfan. Aber es war schön, während der letzten Meisterschaften die Autos mit deutschen, italienischen, türkischen, französischen und anderen Wimpeln durch unsere Strassen fahren zu sehen. Farbe im multikulturellen Deutschland.

Und dieses Jahr? Auf einmal rufen die Grünen auf, die Deutschlandwimpel nicht mehr flattern zu lassen. Die Diskussion über Patriotismus und Nationalismus geht los, linke Gruppen brechen die Autowimpel ab und hinterlassen am verbleibenden Plastikstumpf eine Erklärung, warum sie das gemacht haben: Eine Deutschlandfahne produziert Nationalismus…
Andere Papierchen sagen ganz deutlich „Sag Nein zu Deutschland“

Ich sage: Ich lasse mir nicht vorschreiben, in welchem Verhältnis ich zu Deutschland stehe. Und ich lasse mir nicht durch rechte oder linke Extremisten Symbole und Synonyme der Demokratie wegnehmen. Die Deutschlandfahne wurde geschwenkt, als der friedliche Aufstand in der DDR mit der Parole „Wir sind das Volk“ zum Erfolg führte. Diese Symbole gehören nicht den neuen Nazis und auch nicht den Autonomen Linken. Diese Symbole gehören den Bürgerinnen und Bürgern, die Deutschland als ein freies, multikulturelles, demokratisches Land sehen.
Ich bin froh, in einem Land zu leben, in welchem man sich frei bewegen kann und auch frei die Meinung kundtun kann. Ich werde nicht zum grossen Fahnenschwenker werden, aber ich werde mich auch nicht schämen, dass ich in Deutschland lebe. In Deutschland, einem Land, das vielen Kulturen, Religionen und Meinungen einen freien Raum gibt. Und ich werde weiterhin dafür einstehen, dass aus keiner radikalen Ecke, weder rechts noch links, dieses Pflänzchen Demokratie zertreten wird.

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  1. Ich hatte eine Diskussion zu dem Thema gestern. Auf die Frage ,worauf ich denn stolz bin dass ich Deutsch bin,wobei „Stolz“ein komisches Wort ist,konnte ich sagen:in Deutschland gibt es Grundwerte wie Demokratie,Freiheit, Achtung vor dem Anderen und Menschenliebe-und das wird gelebt,von vielen,manchmal nur ganz leise,aber darüber bin ich froh. Und ich bin gerne deutsch. und wenn jemand diese Fahnen braucht -bitte sehr. Ich brauch sie nicht. Trotzdem jeder darf wie er will. Auch das ist Freizeit. Grüsse Kat.

  2. Schon verstanden. Danke für das Statement. Gute Nacht

  3. Als Teenie hab ich mich fürs Deutsch sein geschämt. Später war ich wütend, mich dafür schämen zu „müssen“. Heute schäme ich mich weder (warum auch), noch bin ich stolz (hab ich ja nicht verursacht). Aber ich bin froh, in Deutschland leben zu können mit all den Vorzügen. Und ich freue mich, wenn z. B. im Ausland der hohe qualitative deutsche Standard gepriesen wird.
    Ich bin auch kein Fahnenschwenker. Aber beim Fußball störe ich mich nicht daran.

  4. Ich bin froh, dass ich im Deutschland der Nachkriegsjahre aufwachsen bin. Stolz darauf bin ich nicht. Einfach froh, dass es schon so lange friedlich ist. Ich hoffe, es bleibt so! Ach ja, eine Fahne schwenke ich nicht. Wenn jedoch EM oder WM ist, satörten mich die Fähnchen nicht. Ich hatte bei der WM sogar welche auf der Fensterbank stehen. Und ich halte zur deutschen Fußballnationalmannschaft, schaue die Spiele im TV. Ein bisschen Wir-Gefühl. Ich sage also: „Wir spielen am Donnerstag wieder.“ ☺️

  5. Blöd nur, dass diese „Demokratie“ tötet, dass vom Mob bei Pegida über die CDU bis weit in die Sozialdemokratie hinein die allmähliche Abschaffung des Asylrechts weiter vorangetrieben wird, dass das Grundgesetz seit seiner Einführung („Nie wieder!“) um Notstandsparagraphen und Militärgesetze ergänzt wurde, dass Deutschlands Außenpolitik andere Länder wirtschaftlich zerstört.
    Sicher ist liberale Demokratie allemal besser als Nationalsozialismus oder die DDR-Diktatur. Aber von dieser liberalen Demokratie ist bald nichts mehr übrig. Kein Grund für Stolz.

    • Ja, das mit dem „Stolz“ ist so eine Sache. Ich bin nicht stolz, sondern froh, in einem Staat zu leben, in dem ich (immer) noch mehr Rechte und Freiheiten habe als in vielen anderen Staaten.
      Aber „stolz“ … nein

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