juckplotz

Papierhandtuchspenderwissenschaft

In Allgemein on 4. September 2015 at 10:38

PapierspenderAuf Grund der Hygienevorschriften gibt es in den „Toiletten mit Publikumsverkehr“, oder landläufig auch „öffentliche Toiletten“ genannt, meist Papierhandtücher, oder „Einmalhandtücher“. Damit die Dinger nicht nass werden, oder einfach so in der Gegend rumliegen, werden sie in verschiedenen Behältnissen, auch „Spender“ genannt, vorgehalten.
Wobei die Worte „Spender“ und „vorhalten“ schon zum Kernproblem der ganzen Papierhandtuchsache führt.

Ich gehe mal davon aus, dass ein „Spender“ etwas mehr oder weniger gerne, aber auf jeden Fall freiwillig her gibt, weil er die Notwendigkeit sieht, durch seine Spende eine gewisse Not zu lindern.
Auf den Papierhandtuchspender bezogen, sollte man meinen, dass meine Not, nämlich nasse Hände zu haben, dazu führen sollte, dass dieser Spender mir gerne eines oder zwei seiner Tüchlein spendet, um mir die Möglichkeit zu bieten, meine Hände abzutrocknen.
Weit gefehlt. Diese Spender haben so einige Tricks auf Lager, uns den Empfang der Spende ziemlich zu erschweren. Ich weiss nicht, ob ich alle Möglichkeiten hier abdecken kann, aber fangen wir mal an.
Da gibt es die Spender, die Einzeltücher anbieten. Meistens in einem unwiderstehlichen grün gehalten, leuchten einem die Tüchlein entgegen. Der mit nassen Händen ausgestattete potentielle Spendenempfänger (also in dem Falle ich), versucht zuerst mit einer Hand (in meinem Fall die rechte) das Papier aus dem Spender zu ziehen. Das Papier saugt sich augenblicklich mit Wasser genau da voll, wo ich es gegriffen habe, was einer gewissen Logik folgt und erstmal nicht aussergewöhnlich ist. Das just aber eben in dem Bereich jetzt meine Hand versucht, das Papier raus zu ziehen, ist auch logisch. Des weiteren ist es auch logisch, dass das Papier dort seine Reißfestigkeit gegen Null verändert hat. Ergebnis, zumindest bei ziemlich vollen Spendern (ich bin immer noch bei den Papierspendern und damit bei der Papierfüllmenge, nichts anderes soll hier erörtert werden): Ich habe nur einen nassen Fetzen Papier, ein Bruchteil des genormten Einmalhandtuchs in der Hand.
Die weiteren Versuche sind nun dazu angetan, den Rest des Papierhandtuches irgendwie dem Spender zu entlocken. Ist dies gelungen, wandert dieses Reststück meist in den Müll. Die Hände sind jetzt nicht mehr ganz so nass, also kann man mit nun grösseren Erfolgsaussichten das zweite Blatt dem Spender entnehmen.
Sollte man zumindest meinen. In den meisten Fällen sind nämlich diese ineinander gefaltet. und durch die raue Oberfläche rutschen diese Dinger einfach nicht so schön aus dem Spender, sondern halten sich aneinander fest.
Und so bekommt man entweder nur einzelne Fetzen oder gleich eine Familienpackung Handtücher aus dem Spender.

Dann gibt es ja noch die Handtuchspender, die ihre Papierhandtücher auf einer „Endlosrolle“ vorhalten. Wobei Endlosrolle so viel heisst wie „Hält genau so lange, bis du kommst und ein Handtuch brauchst – dann ist die Endlosrolle endlich leer“. Zumindest passiert dies mir häufig. Aber vielleicht bin ich auch da eine Ausnahme. Wie bei Kopierpapier, Toilettenpapier und so weiter.
Zurück zum Handtuchspender. „Langsam und gleichmässig mit beiden Händen ziehen“ steht oft da. Ok, diesmal sind beide Hände gefragt. Beide nass, natürlich. Laaaaangsam und gleichmässig ziehen. Wieder habe ich nur ein Stück in der Hand. Ist laaaangsam wirklich noch langsamer?
Ok, erstes Tuch wieder zum Vortrocknen, zweites dann mit schon weitaus trockeneren Händen zum Nachtrocknen. Schon besser als die einzelnen Tücher.
Wobei wir dann noch die Taktik des Tuchabreissens verfeinern müssen. Naturgemäss sind die Tücher ja perforiert, aber wann reisst was schon direkt an der Perforation? Deshalb gibt es ja auch eine „Abreisskante“ and den Spendern, meist sehr gross gezackt, damit sich Mensch nicht dran verletzen kann. Da bin ich auch zu doof, das Ding wirklich schön abzureissen.

Nun wird’s richtig technisch. Berührungslos. Gute Idee, da nasse Hände (siehe oben) eher kontraproduktiv sind. „Nicht drücken, Hände vor den Sensor halten“. Sensor, ok, wo ist der Sensor. Bewegungen wie beim Blinde Kuh spielen, am Schluss den Spender „berührungslos streicheln“. Sssst, das Blatt kommt irgendwann, abreissen funktioniert auch. Super, aber Hände noch nicht ganz trocken. Also an die Stelle vom Spender, wo er vorher reagiert hat. Nichts. Wieder langsame Bewegung um den das Spendergehäuse. Jetzt funktioniert das „Sssst“ plötzlich an einer anderen Stelle. Oder ist das Ding so reaktionsträge, dass ich schon wieder weiter bin, als der Sensor reagiert? Keine Ahnung, aber schlussendlich trockene Hände.

Zur Vervollständigung. Es gibt ja auch noch die papierlose Variante. Da kann ich wenigstens nix falsch machen. Luft verklemmt nicht, zerreisst im Normalfall auch nicht; nur das Trocknen dauert ziemlich lange.

Aber was Ihr merkt: Ich wasche meine Hände nach dem Toilettengang. Tun scheinbar auch nicht alle.

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  1. Hi hi, das kann ich alles unterschreiben :-). Weißt Du, was ich neuerdings genau wegen dieser Problematik und zwecks Schonung meines Nervenkostüms mache? Ich trockne mir die Hände an meiner Jeans ab. Na gut, wenn ich gerade sehr chic angezogen bin, um irgendwo einen guten Eindruck zu hinterlassen, verzichte ich darauf, meine Hosen (oder auch Sweatjacken) als Handtuch zu mißbrauchen. Aber sonst bin ich da unerbittlich geworden. Denn: Auf der Damentoilette gibt es noch mehr Gründe, sich diesem grotesken Ablauf nicht zu unterziehen. Es sind die Frauen, die haarerichtend, lippenstiftauftragend, rock- und blusenzurechtrückend sowie gackernd wie die aufgescheuchten Hühner vor dem Spiegel stehend ALLES blockieren!!!
    Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
    😉

    Liebe Grüße an den aufmerksamen Jörg!

    Sylvia

    • Danke für das „aufmerksam“, liebe Sylvia. Du hast Recht, bei euch kommt ja zum Händewaschen ja noch das „Styling“ dazu. Und außerdem gehen ja die meisten Frauen im mindestens Doppelpack zur Toilette. Die Einrichtungen für Damen müssten doch dann auch ganz anders konzipiert werden, u Staus zu vermeiden. Wobei gegen das Gackern wahrscheinlich kein Konzept hilft.
      Aber das mit den Jeans hab ich auch schon gemacht. Ausserdem bin ich noch einer der altmodischen Menschen, die mindestens ein Stofftaschentuch dabei haben. Normalerweise fürs Brillen putzen (also die auf der Nase, nicht dass da jetzt Verwechslungen entstehen). Aber als Handtuch gehen die Dinger auch.
      Viele Grüße
      Jörg

  2. Dr.Prof. JuckPlotz – Danke für diese Lehre!! :)) Weiss zwar nicht mehr als ich vorher wusste, aber es ist immer wieder schön eine bestätigung zu hören/lesen. Ne, im ernst Dr.Prof vorm JuckPlotz würde echt passen, finde ich.
    lG

  3. Hahaha, Probleme, die jeder kennt.
    Die Steigerung besteht dann noch darin, mit einem Kleinkind unterwegs zu sein, das alles „SELBER MACHEN, MAMA!“ will.
    Der Vorteil ist, dass man die nassen Hände unauffällig am Kind abtrocknen kann, während man es krampfhaft unter die Papierspender hält. 😁

    In diese Kategorie fällt übrigens auch, den Anfang vom Toilettenpapier in diesen überdimensionalen Abdeckungen zu finden, wenn die Rolle fast leer ist. Grmpf…😡

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