juckplotz

Tierliebe und Fremdenfeindlichkeit

In Allgemein on 9. Mai 2015 at 12:37

Dass der Tonfall in den sozialen Netzwerken dem der „Stammtische“ schon lange in nichts mehr nachsteht, in vielen Fällen sogar diesen übertrifft,  und zwar an Ausfälligkeiten, Beschimpfungen etc., ist allgemein bekannt. Ich habe mich nicht daran gewöhnt,  aber ich habe gelernt, gewisse Beiträge zu ignorieren und auszufiltern.
Heute muss ich jedoch etwas loswerden, weil es mich bedrückt,  mich traurig macht.
Ein Posting, welches ich gestern zwar kopfschüttelnd weggedrückt habe, welches mir aber doch im Gedächtnis geblieben ist, handelte davon, dass in einem bis jetzt doch so netten Dorf die leer stehende öffentliche Einrichtung jetzt zur „Asylantenunterkunft“ werden soll. Trotz des Bürgerprotests. Der Gemeinderat wurde in den Postings als „Pack“, „Idioten“ und Ähnlichem bezeichnet, die Entscheidung als „Riesensauerei“.
Soweit so schlecht.
Leider bin ich nicht der Typ, auf solchem Niveau zu diskutieren,  meine Meinung kund zu tun. Vielleicht falsch, aber das soll hier jetzt nicht diskutiert werden.

Heute morgen habe ich dann von derselben Person, die gestern das Anti-Asylheim Posting geteilt hat, ein „Tierschutz“ Posting gelesen – wiederum geteilt. Darin wird das Aussetzen von Haustieren angeprangert und aufgerufen, diesen armen Kreaturen sich doch zu erbarmen.

Wer mich kennt,  weiss, dass ich ein Tierfreund bin und auch absolut dafür bin, Tierquälerei und auch das Aussetzen von Tieren konsequent zu bestrafen.
Das Posting könnte ich teilen, das gestrige sicher nicht. Und es kam von ein und demselben Menschen.

Verhelft den Tieren zu einem Zuhause, aber lasst Menschen, die eine (vorübergehende) Heimat suchen, nicht in unser Dorf?

Sind wir Deutschen wirklich so?
Hoffentlich nicht.

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  1. Leider sind sehr viele Menschen so. Ich bin der Überzeugung, dass es der Wohlstand ist, der sie dazu werden lässt.
    Weißt Du, in welchen Situationen die Menschen zusammenrücken? Es sind jene in Not, in Gefahrensituationen, die Menschen vielmals empathisch werden lassen.
    Wann beginnt der Mensch, Werte zu achten?
    Wenn er die für ihn bisher selbstverständlichen Dinge verliert.

    Ich bin froh, nicht mehr auf FB zu weilen …. Seither gewinnt mein Geist und meine Seele wieder an Gelassenheit.

    Ach, im Übrigen habe ich einen neuen Blog, auf welchem man sich über die alltäglichen Beobachtungen ausreichend unterhalten kann. Mein Autoren-Blog soll sich nur auf Inhalte meiner Arbeiten beziehen.
    Da ich soziale Netzwerke nunmehr meide, habe ich mich zu diesem Blog entschieden:
    https://wiedaslebenklingt.wordpress.com

    Liebe Grüße, auch an den verlorenen Einstein 😂

    Sylvia

    • Danke für deinen Beitrag.
      Ich bin mit dir einig, dass Menschen so sind, so werden, weil es uns zu gut geht. Und trotzdem wehre ich mich innerlich dagegen, dass es uns allen erst schlecht gehen juss, damit wir miteinander wieder gut miteinander umgehen

      • Ein miteinander war zu viel. Und fertig war ich auch joch nicht. Tablet and me…. zwei Welten treffen sich.
        Gibt es keine Möglichkeit, in Wohlstand miteinander zu leben? Das, was ich habe, zu genießen, ohne anderen was wegzunehmen, etwas nicht zu gönnen? Bin ich ein Träumer?

      • Dagegen wehre ich mich innerlich auch. Aber gegen den Lauf der Dinge können einzelne Menschen leider nichts ausrichten.
        Die Geschichte zeigt es: Immer wieder ist es der Mensch selbst, der mit seiner latenten Unzufriedenheit, seinem Machtstreben und Kriegslust am Zerstören ist.
        Er lernt und das einige Jahrzehnte. Länger hält es nicht an.

        Stimmen werden laut, die das „Gelaber“ vom zweiten Weltkrieg nicht mehr hören können.
        Zur Kranzniederlegung anläßlich des Jahrestages zum Bombenangriff in Dresden hörte ich im eigenen „Bekanntenkreis“ Stimmen wie:
        „Ich kann es nicht mehr hören. WARUM legen sie da immernoch Kränze nieder? Irgendwann muss doch mal gut sein!“
        Wer mich kennt, weiß, dass ich da mit fester Meinung dagegen steuere. Es kam zum Streit.
        Der Kreis wurde ausgedünnt ….
        Eine solche Meinung ist nicht zu dulden.

        Doch auch im „sozialen“ Netzwerk Facebook waren diese disharmonischen Klänge zu vernehmen.

        Das sollte ein Grund für uns Denkende sein, dafür zu sorgen, dass unsere Töne lauter werden!
        (Ich mache demnächst einen Beitrag dazu).

        Liebe Grüße
        Sylvia

  2. Es ist gut, wenn wir Träumer bleiben – im gewissen Maße. Ohne dieser Gabe könnten wir erstens die Realität nicht ertragen und zweitens nicht die Kraft finden, gegen den Geist von Zwietracht und Kriegshetze, gegen Fremdenhass und nationalsozialistisches Gedankengut zu kämpfen.

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