juckplotz

Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.

In Allgemein on 10. Mai 2013 at 17:06

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”
Heinrich Heine  1821 (aus „Almansor“)

Heute gedenken wir der „Bücherverbrennung“ in Deutschland vor achtzig Jahren; einem Vorfall, der zumindest uns Deutsche immer in mahnender Erinnerung bleiben muss.

Bücherhinrichtungen sind seit Menschengedenken ein Zeichen dafür, dass sich Menschen mit dem Gedankengut anderer Menschen nicht argumentatorisch auseinandersetzen können, beziehungsweise, anderes Denken als das Eigene nicht zulassen können.

So schlimm die Bücherverbrennung vor 80 Jahren in Deutschland war, so war sie nur ein kleines Steinchen in der Lawine, die über Europa hereinbrach, als der Nationalsozialismus bestimmen wollte, wie gedacht werden soll, und wer überhaupt leben darf.

Leider sind Bücherverbrennungen seitdem nicht Geschichte, sondern finden auf der Welt immer wieder statt. Manchmal als Tat eines Einzelnen, oft aber auch als Tat von Gruppen, die meinen, sie müssten sich als Wächter von Ordnung, Erziehung und anderen allgemein gehaltenen Begriffen, aufspielen.

In Heinrich Heines „Almansor“  wurde der Koran auf den Scheiterhaufen geworfen; ein US amerikanischer Prediger hat dies vor ein paar Jahren wiederholt. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts haben Mitglieder des Bundes entschiedener Christen „Bravo“ Hefte und Sex Magazine verbrannt, 2001 wurden in Amerika Harry Potter Bücher verbrannt.

Die Liste liesse sich schier endlos fortsetzen und zeigt nur eines: Diejenigen, die Bücher hinrichten, würden am liebsten auch die Menschen „verbieten“, die diese Bücher geschrieben haben.

Auch ich bin nicht mit jedem „Erguss“ einig, der Einzug in die Literatur gehalten hat, aber ich kann mich entscheiden, ein Buch zu kaufen, es zu lesen, oder es eben auch ungelesen liegen zu lassen. Aber ich darf mir nie anmassen, ein Buch „hinzurichten“, am allerwenigsten als öffentliche Aktion.

Bücherverbrennung ist nicht Geschichte, sondern Gegenwart. Und wir sollten alles daran setzen, dass in Zukunft diese Aktionen Geschichte sein werden.

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  1. Die Bücherverbrennungen waren kein „Vorfall“. Es waren konzertierte, geplante Aktionen, die einer Strategie folgten. So wurden die Bücher nicht von irgendjemandem verbrannt, sondern von Studenten. Einer sozialen Gruppe, von der man annimmt, sie sei die „heranwachsende denkende Elite“. Seit der Machtergreifung gab es immer wieder Verbrennungen von Büchern und Schriften. Am 10. Mai alleine in 22 Städten: Universtätisstädten.

    Und als kleines Steinchen würde ich es nicht bezeichnen. Es war ein Baustein in der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Ein wichtiger Baustein. So wichtig wie der Reichstagsbrand, die Lüge des „zurückschießens“ und vieler weiterer Propagandafeldzüge. Denn die Nazis haben nicht „bestimmen wollen“ was gedacht wird… sie haben es bestimmt. Wer nicht der Bestimmung folgte wurde ermordet. Erst brannten die Bücher, dann die Menschen.

    • Gebe dir zu 100% Recht. Wichtig ist mir, darauf hinzuweisen, dass das Verbrennen von Büchern auch heute in dieser angeblich so toleranten und aufgeklärten Zeit immer wieder stattfindet. Erinnerung und Gedenken sind ein Teil unseres Seins, die Gegenwart ein anderer Teil. Vieles, was aus der Retrospektive eine logische Abfolge darstellt, da wir das Ganze sehen, kommt uns inmitten unseres täglichen Lebens als nicht bedeutend vor. Und darin kann eine nicht zu unterschätzende Gefahr lauern.

      • Die Frage ist immer, von welchem Standpunkt aus, diese „tolerante und aufgeklärte Zeit“ definiert wird. Bin ich doch erst neulich über eine deutsche Website gestolpert, die Bücher wie „Die kleine Hexe“, „Krabat“, „Das kleine Gespenst“, „Momo“, „Die unendliche Geschichte“ als Bücher der „Schwarzmagie“ bezeichnen und deshalb ächten…

        Es gibt auch in unserer Gesellschaft Menschen, bei denen die „Aufklärung“ (noch) nicht angekommen ist….

        Daher ist es richtig zu mahnen und zu erinnern. Da hast du Recht. Vollkommen. Nur muss eben, gerade jetzt im Rückblick auf die Geschichte, mit aller Deutlichkeit gezeigt werden, welche Folgen solche Dinge wie das Verbrennen von bedrucktem Papier hat… Den Büchern Namen geben: Erich Kästner, Heinrich Hesse, Klaus Mann, Heinrich Mann, Karl Maria Remarque, Bertolt Brecht, … denn dann sind sie mehr als Papier. Dann sind es Gedanken, denen Mann versucht durch Flammen die Wirkung zu nehmen.

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