juckplotz

Alarm: Prenzlberg wird zum Brezelberg

In Allgemein on 3. Januar 2013 at 11:34

„Feschte Ärmle and an digga Bauch“, nein, ich meine nicht Herrn Thierse, sondern „onser schwäbische Brezel“. Und genau die, zusammen mit ihrem Vetter „Weckle“ bringt den sonst gegen Populismus und Rassismus angehenden Herrn Thierse „a bissle en Raasche“ (macht ihn also ein wenig wütend). Ist ja auch verständlich: Geht der arme Mann morgens in eine Bäckerei und will Schrippen, in der ganzen Auslage liegen aber nur „Wecken“ . Obwohl sich die Schwaben in Berlin offensichtlich Mühe gegeben haben, hochdeutsch zu schreiben (in ihrer Urheimat würde das Gebäck nämlich „Weggle“ heissen), muss es morgens für einen offensichtlich nicht ganz ausgeschlafenen Herrn Bundestagspräsidenten wie eine Ohrfeige wirken, wenn da „Wecken“ steht. Dabei wurde er doch schon geweckt, um Schrippen zu holen.
Und dann wollen die kleinbürgerlichen Schwaben, die scheinbar nur nach Berlin gekommen sind, um der schwäbischen Enge zu entfliehen, in Berlin auch noch die „Kehrwoch‘ “ einführen. Schon seit Jahren ist in den Kalendern diese schwäbische Errungenschaft als Abkürzung geführt, Nichtschwaben haben es bis heute nur nicht bemerkt; „KW“ heisst nicht etwa „Kalenderwoche“, sondern „Kehrwoche“.  Zu beweisen ist dies ganz einfach bei internationalen Kalendern: Da steht gross und deutlich „CW“, und das heisst „Cleaning Week“.
Ja, lieber Herr Thierse, eine Weltstadt wird erst Weltstadt, wenn es dort Weggle, Brezla and Moscht gibt. Und ich bin sicher, dass die Piefkes ganz froh sind, wenn „a baar Schwobaseggl“ in Berlin sind.
Betrachten Sie die Schwaben in Berlin einfach als Abgesandte des Bundeslandes, welches Berlin durch den Länderfinanzausgleich ein wenig untere Arme greift.
Und: „Mir hennd au Humor, abr ’s koh sei, dass den oifach a Nichtschwob genau so wenig vrstoht, wir mir den Ihrigen, Herr Thierse“
Ach so, noch was:
Pflaumendatschi ist nicht schwäbisch. Mir hennd Zwetschgakuacha….

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  1. Herr Thierse betrachtet seine unsägliche Äusserung als einen Spass und ist ‚erschrocken‘ über die Reaktionen. Er verkennt ganz offensichtlich den Ernst der Situation. Dies beweist er auch dadurch, dass er sich zu diesem Thema nun nicht mehr äussert und es vorgezogen hat, nun erstmal Urlaub zu machen. Es geht nicht um ein paar humoristische Äusserungen über Schwaben. Seine publik gemachte Intoleranz kann ganz schnell dazu führen, dass der in Berlin bereits schon vor Jahren lodernde Schwabenhass zu einem grossen Problem wird. Es wird sicher Menschen geben, die in diesen unverantwortlichen Äusserungen eine Art Unterstützung oder gar Legitimation zu ihren intoleranten wenn nicht sogar strafbaren Handlungen sehen (man bedenke die Mordaufrufe).
    Das ist kein Spass, das ist Brandstiftung.
    Und ich wundere mich, dass der baden-württembergische Ministerpräsident nicht eindeutig Stellung bezieht (und nein, nicht mit einem humoristischen Text oder einem schwäbischen Geschenkkorb, sondern deutlich macht, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist).

  2. @Frank: richtig. Das Prinzip, das Herr Thierse hier bemüht ist hinlänglich bekannt. Ob er von Schwaben, Bayern oder anderen spricht, ist irrelevant. Gerade in Berlin sollte man solche Mechanismen als Politiker nicht bedienen. Diese wurden schon allzuoft bedient… dass Preussen und Württemberg sich nie innig liebten, sollte heute kein Grund sein, Stammtischwahrnehmungen und Verleumdungen auf eine große politische Bühne zu bringen.

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