juckplotz

Reichspogromnacht – es fängt in den Köpfen an

In Allgemein on 10. November 2012 at 13:47

Die Reichspogromnacht, die Nacht, in der jüdische Geschäfte und Einrichtungen  zerstört und in Brand gesetzt wurden, wird uns jedes Jahr am 9. November in Erinnerung gerufen. Dies ist auch gut so, wenn ich auch immer öfter erlebe, dass die Menschen bei Dokumentarfilmen über dieses Thema lieber zu seichterer Unterhaltung wechseln.
Die Erinnerung tut Not, nicht, um uns noch nach vielen Generationen eine Mitschuld der damaligen Ereignisse zu geben, sondern um immer wieder zu sehen, wie Hass und Wut gesteuert werden kann. Und wie Menschen solchem Treiben zusehen, es dulden, weil sie systematisch dazu geführt wurden, das, was da geschieht als „Recht“ anzusehen.
Ich denke, es geht in Deutschland nicht mehr um die Aufarbeitung der Vergangenheit, nicht mehr darum, dass jede kritische Stimme gegen Israel oder das Judentum mit dem Hinweis auf das „Dritte Reich“ mundtot gemacht wird. Es geht darum, das „Niemals wieder“ am Leben zu erhalten, mit neuem Leben zu füllen. Es geht darum, immer wieder zu begreifen, was unsere Demokratie ausmacht, und aus welchen Gründen zum Beispiel Politik und Rechtssprechung getrennt wurden.
Der erhobene Zeigefinger gilt somit nicht nur dem Vergangenen, sondern vielmehr dem heutigen und der Zukunft… “ Nie wieder soll so etwas geschehen“

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  1. 400 Tote – so schätzen Historiker. Noch immer wird von der Reichsprogromnacht gesprochen, manche sogar von der Reichskristallnacht. Die Novemberprogrome sind nicht die Sachbeschädigung einer Nacht … es ist der Beginn einer noch nie dagewesenen Schreckens- und Vernichtungsherrschaft. Wir müssen noch viel Aufarbeiten… wir müssen noch viel verstehen… das Geschehene ist immer noch unfassbar.

    Je weiter die Zeit voran schreitet, desto entfernter scheint dieses Geschehen.

    Wir müssen erinnern, um aufarbeiten zu können. Es geht nicht nur um die Steuerung von Wut und Hass. Es geht um Manipulation. Um den Menschen ansich.

    Was am 8.11 anfing wurde zu einem Horror, der bei seiner Entdeckung 1945 so groß war, dass er bis heute nicht begreifbar ist.

    Noch heute sind die Bücher voll von Umschreibungne, die nachlässig übernommen werden. Und es ergibt sich in den Köpfen ein Bild von randalierendem Pöpel. Der Vergleich zu modernen Ausschreitungen ist schnell gefunden. Doch die Realität ist weit anders: Tote, Verletzte und zerstörte Existenzen, der Beginn von Leid und menschenunwürdigem Dasein für die nächsten 7 Jahre…

    • Ich stimme dem Kommentar vollumfänglich zu. Wenn heute randaliert wid und Scheiben eingeschlagen, dann werden schnell Vergleiche gezogen. Dabei war die Aktion, die am 8. November 1938 anfing, ein Auftakt, geplant, um ein nie dagewesenes Massaker an Menschen zu beginnen und vordergründig zu legitimieren. Die Schwierigkeit, dass die Zeit gegen die Aufarbeitung arbeitet, weil Augenzeugen immer weniger werden, darf natürlich nicht als Argument gegen Aufarbeitung genommen werden. Der Artikel möchte davor warnen, dass neben der Aufarbeitung aktuelle Tendenzen – nicht nur in Deutschland – nicht früh genug erkannt werden.

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