juckplotz

Archive for November 2012|Monthly archive page

Trauer

In Allgemein on 27. November 2012 at 19:11

Eigentlich sollte hier ein Artikel zum Tod des Schauspielers Larry Hagman entstehen. Aber dann überschlugen sich in meinem Kopf mehr oder weniger die traurigen Ereignisse. Schon wieder ein Feuer in einer Textilfabrik in Bangladesh. Obwohl weit weg, bin ich doch betroffen.
Und dann: Das Grossfeuer in Titisee-Neustadt in der Caritas Werkstatt.
Immer wieder die Meldungen über Tod, Sterben und Leid.

Wie nehmen wir die Meldungen auf, sind wir gleichgültig, weil wir die Menschen nicht kennen? Oder projizieren wir es auf unser Leben, auf unser Umfeld? Schützen wir uns mit der Meinung, dass Katastrophen wie in Bangladesh in Deutschland nicht passieren können? Und sind dann um so schockierter, wenn wir Meldungen wie die über den Brand im Schwarzwald hören?

Sind wir beruhigter, wenn wir erfahren, was die Ursache war, die zum Tod von Menschen führte?

Viele Fragen, die sich bei mir gerade im Kopf bewegen, nicht nur, weil vergangenen Sonntag der Toten- oder Ewigkeitssonntag war. Ich hoffe auch, dass es nicht nur am Herbstwetter liegt, der diese Gedanken vielleicht mehr an die Oberfläche kommen lässt als ein warmer Frühlingstag.

Und irgendwie bin ich froh, dass ich mir die Zeit nehmen kann, über Trauer nachzudenken. Über ein Thema, welches jetzt gerade auch die Medien entdeckt haben, und das doch so individuell ist, dass man es nicht in einen Rahmen pressen kann.

Rot = Halt

In Allgemein on 12. November 2012 at 17:24
Toilettentürschloss

Besetzt

Ist Ihnen das auch schon passiert? Egal, ob in Restaurants oder öffentlichen Einrichtungen wie Flughäfen, Bahnhöfen etc. gibt es Menschen, die definitiv das „Rot“ an der Tür der Toilette entweder ignorieren, oder es einfach nicht sehen. Das Ergebnis: Die Klinke der Tür wird mit Nachdruck heruntergedrückt, und gleichzeitig biegt die Tür sich an den Stellen, an denen kein Scharnier oder kein Schloss ist, bedenklich nach innen. Je nach Beschaffenheit der Tür ist man schon auf dem „Sprung“, um noch rechtzeitig einigermassen „behost“ dazustehen, sollte der Zeitgenosse wirklich mit der Tür ins Häuschen fallen.

Ok, es kann schon vorkommen, dass man es ziemlich dringend hat, in solch eine Kabine zu kommen, aber man kann doch wenigstens mal vorsichtig prüfen, ob das Gehäuse geschlossen oder offen ist.

Musste ich einfach mal „los werden“

 

Reichspogromnacht – es fängt in den Köpfen an

In Allgemein on 10. November 2012 at 13:47

Die Reichspogromnacht, die Nacht, in der jüdische Geschäfte und Einrichtungen  zerstört und in Brand gesetzt wurden, wird uns jedes Jahr am 9. November in Erinnerung gerufen. Dies ist auch gut so, wenn ich auch immer öfter erlebe, dass die Menschen bei Dokumentarfilmen über dieses Thema lieber zu seichterer Unterhaltung wechseln.
Die Erinnerung tut Not, nicht, um uns noch nach vielen Generationen eine Mitschuld der damaligen Ereignisse zu geben, sondern um immer wieder zu sehen, wie Hass und Wut gesteuert werden kann. Und wie Menschen solchem Treiben zusehen, es dulden, weil sie systematisch dazu geführt wurden, das, was da geschieht als „Recht“ anzusehen.
Ich denke, es geht in Deutschland nicht mehr um die Aufarbeitung der Vergangenheit, nicht mehr darum, dass jede kritische Stimme gegen Israel oder das Judentum mit dem Hinweis auf das „Dritte Reich“ mundtot gemacht wird. Es geht darum, das „Niemals wieder“ am Leben zu erhalten, mit neuem Leben zu füllen. Es geht darum, immer wieder zu begreifen, was unsere Demokratie ausmacht, und aus welchen Gründen zum Beispiel Politik und Rechtssprechung getrennt wurden.
Der erhobene Zeigefinger gilt somit nicht nur dem Vergangenen, sondern vielmehr dem heutigen und der Zukunft… “ Nie wieder soll so etwas geschehen“

Die neue Angst vor Konfrontation

In Allgemein on 8. November 2012 at 22:55

Es war mal wieder was im Busch. Man konnte es spüren. Die Verantwortlichen der Personalabteilung und sogar der Abteilungsleiter glänzten die letzte Zeit durch Abwesenheit oder zeigten durch das Schliessen ihrer Bürotür, dass sie nicht gestört werden wollten.

Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma kam Unruhe auf, die sich in immer ausgedehnteren Diskussionen in den Kaffee- und Raucherecken zeigte. Aus verschiedenen „zuverlässigen“ Quellen kamen die Gerüchte, dass wieder einmal eine Änderung, eine Umstrukturierung im Gange sei.

Endlich, die Einladung zu einer Betriebsversammlung. Und die Enttäuschung nach der Versammlung. Klar wurde von Einschnitten, Einsparungen und notwendigen Änderungen gesprochen, aber auf Anfrage, was es nun konkret für die Belegschaft heisse, wurde mitgeteilt, es gebe noch keine konkreten Pläne und man werde dann zur gegebenen Zeit informiert.

Ein paar Tage später war klar, dass einige die Firma verlassen müssen. Aber man sei noch nicht ganz sicher, welche Abteilungen es treffen würde.

Komischerweise hatten dann einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am nächsten Morgen die Kündigung im Briefkasten…
Kommt Ihnen so was auch bekannt vor? Viele Bekannte berichten mir unabhängig voneinander ähnliche Begebenheiten. Und interessanterweise ausnahmslos von Unternehmen, die modern geführt werden, bei denen „Teamwork“ und „Gemeinsam sind wir stark“ Parolen unter die Belegschaft gestreut werden, wie Trockenfutter im Streichelzoo.

Und genau diese Führungskräfte, die das „wir sind ein Team“ zum Evangelium hochstilisieren, trauen sich dann nicht, den Mitgliedern dieses Teams reinen Wein einzuschenken, sich konkreten Fragen zu stellen, eine Kündigung persönlich auszusprechen, sich vielleicht auch mal böse Blicke einzuhandeln oder sehen zu müssen, wie Menschen ob der Kündigung mit Tränen kämpfen.

Ich frage mich, ob die früheren „Chefs“ nicht mehr Mut hatten, als alle die neuen Führungskräfte, die sich hinter wohlklingenden Abkürzungen und einem vollen Terminkalender verstecken. Und ich bin traurig, dass das Wort „Human“ in „Human Ressources“ immer mehr vergessen wird.

Liebe CEOs, HR-Chefs und wie Sie immer sich nennen mögen: Wir wollen ehrliche Aussagen, wollen die Möglichkeit, Ihnen in die Augen zu sehen, wenn Sie uns Maßnahmen erklären. Wir sind auch fähig, zu begreifen und zu akzeptieren. Ich denke, Ihnen allen würde eine Wertschätzung zu Gute kommen die etwa so lauten würde: „Ok, es ist schon Mist, dass ich jetzt auf der Strasse sitze, aber mein Chef hat sich wenigstens die Zeit genommen, mit mir zu reden, mir versucht es zu erklären, und ist nicht vor der schwierigen Aufgabe geflohen.“