juckplotz

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Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten…

In Allgemein on 15. August 2011 at 17:56

Vor fünfzig Jahren wurde eine Grenze durch Deutschland gezogen, die bis Anfang November 1989 nicht nur ein Land teilte, sondern auch dafür sorgte, dass auf beiden Seiten der Mauer unterschiedliche Ideologien, Meinungen und Werte wuchsen und gelehrt wurden. Nicht nur in der DDR, sondern auch in der Bundesrepublik Deutschland wurde vom jeweils anderen Teil vieles erzählt, was nicht stimmte, sondern nur dazu diente, die jeweils eigene Staatsform als die bessere darzustellen.
Die Aussage von Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 „… niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten…“, wurde am 13. August 1961 durch den Mauerbau eben der Regierung, der Walter Ulbricht vorsass, ad absurdum geführt. Familien wurden getrennt, sich Liebende konnten sich nicht mehr treffen, eine Stadt wurde brutal in zwei Teile aufgeteilt.

Ich habe Deutschland bis zu meinem 29. Lebensjahr als zweigeteiltes Land erfahren, hatte keine Freunde und Bekannten in der DDR. Zur Bundeswehrzeit wurden wir angewiesen, besonders auf die Lastwagen der „Deutrans“ zu achten, die mit Vorliebe um militärische Einrichtungen herum pausierten.

Ich bin also als echter „Wessi“ aufgewachsen – und trotzdem hatte ich Tränen der Freude in den Augen, als im November 1989 die Zeit der Teilung ein Ende hatte und die Mauer langsam aber sicher Geschichte wurde.
Sicher, ohne Reibung zwischen den Menschen aus Ost und West geht es nicht, wenn man achtundzwanzig Jahre weniger voneinander wusste oder wissen wollte als von den Bewohnern anderer Länder. Aber wenn heute teilweise behauptet wird, dass es West wie Ost besser gegangen ist, als die Mauer noch stand, sie sogar wieder zurück fordert, dann muss man diesen Menschen eine gewisse Blindheit in puncto Geschichte bescheinigen.

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Mein Kind? – War da was?

In Allgemein on 9. August 2011 at 22:28
Verkehrszeichen

Mein Kind?

Es gab mal wieder Stau auf der Autobahn. Typisch Freitag nachmittag. „Meinetwegen“, dachte ich „dann ist eben Landstrasse angesagt“. Dank Navigationssystem habe ich mutig die nächste Ausfahrt genommen und bin in einer Gegend gelandet, in der ich – soweit dachte ich zumindest – noch nie in meinem Leben war.

Die Fahrt auf der Landstrasse verlief einigermaßen zügig, die Gegend war auch nicht übel, und viele Ortschaften wurden durch eine Umgehungsstrasse weiträumig vom Autoverkehr geschützt.

Doch die Strasse war noch nicht ganz modernisiert, und so liess es sich nicht vermeiden, dass ich hin und wieder durch kleine Ortschaften kam. Ortsschild, Zusatzschild „Radarkontrolle“, also alles ganz normal. Und dann plötzlich ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Fahr vorsichtig – Es könnte auch dein Kind sein“. Mein Kind? Hier? Nein, meine Kinder sind ungefähr 200 Kilometer von hier entfernt…

Oder hat sie jemand hierher gebracht, ohne mein Wissen? Kann ich mir nicht vorstellen.

In Gedanken fuhr ich weiter – es war übrigens weit und breit kein Kind zu sehen, weder eines von „meinen“, noch ein anderes.

Nach ein paar Kilometern im nächsten Dorf nochmals so ein Schild. „Es könnte mein Kind sein?“ – Ich war doch noch nie hier, oder? Bis jetzt dachte ich immer, ich sei immer im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte gewesen, bei allem, was ich tat. Aber das Schild machte mich unsicher. Wenn hier mein Kind sein könnte, warum muss ich es durch ein Schild erfahren? Und wo hält sich mein mögliches Kind versteckt? Und wo ist die Mutter, die dieses Schild aufgestellt hat, auf der Suche nach dem Vater?

Es könnte mein Kind sein… Fahr vorsichtig, halte Ausschau, vielleicht sieht irgendein Kind dir ähnlich, vieleicht trifft dich ein fragender Kinderblick…

Aber auch in diesem Dorf – kein Kind. In Gedanken und ziemlich unsicher fuhr ich weiter und war froh, dass jetzt alle Strassen um die Dörfer führten, wo die Bewohner es für möglich halten, dass die Kinder von mir sein könnten.