juckplotz

Authentisch leben oder Leben inszenieren?

In Allgemein on 18. Juli 2011 at 21:45

Erich Fromm, Psychoanalytiker und Sozialphilosoph, schrieb in seinem Buch „Authentisch leben“, … dass wir nur dann zu einem glücklichen und erfüllten Leben finden, wenn wir authentisch leben.

Was ist eigentlich authentisch?
Fromm bezeichnet authentisches Leben als ein Leben, das aus eigenen Entscheidungen besteht und nicht nur aus erfüllten Erwartungen von aussen. Authentizität ist auch das Synonym für Wirklichkeit, Wahrhaftigkeit oder Echtheit.

Und Wirklichkeit ist eigentlich das Gegenteil von „Inszenierung“. Und schon sind wir mitten im Dilemma. Wo sind wir noch authentisch und wo inszenieren wir uns?
Und die Inszenierung findet nicht nur bei Politikern, Sängern und Managern statt, also bei Leuten, die im sogenannten „Rampenlicht“ stehen. Auch wir inszenieren uns täglich, vor Fremden, Kollegen und sogar Freunden.

Unser Umgang miteinander, sei er noch so korrekt, wird mehr und mehr inszeniert. Die eigentliche Wertschätzung untereinander weicht der Selbstinszenierung, einer ausgetüftelten Choreografie, wie man weiter kommen möchte.

Aber: was heisst das – weiter kommen, Karriere machen? Ist dies Teil meiner Authentizität oder schon Teil der Erwartungen, die an mich gestellt werden?
Wird das Wort Karriere zum Wort „Erfüllung“ umgemünzt, dann geht die Gleichung der Gesellschaft auf: „Glück kann man doch kaufen“. Authentizität ist nicht kaufbar, manipulierbar, und doch macht sie glücklich. Man kann in den berühmten Spiegel schauen, auch wenn man nicht wie ein Klon aus der „Wirtschaftswoche“ aussieht.
Dieses Gefühl, authentisch zu sein, kommt aus dem Inneren und macht einen selbstbewusst. Selbstbewusst ist nicht das Gleiche wie Kaltschnäuzigkeit und Überheblichkeit.
Meine Werte und meine „Be-Wert-ung“ sind ausschlaggebend. Dies konsequent durchdacht heisst: Im Grunde entscheide ich darüber, welche Ziele ich erreichen möchte, welche für mich erstrebenswert sind und meinem Leben Sinn geben.
Ich weiss, dass diese Aussage sehr mutig ist und sich nicht 100% leben lässt. Aber schon das Bewusstsein, dass meine Entscheidungen dazu beitragen, mein Leben zu gestalten, ist spannend und kann zu einem Schritt in die richtige Richtung werden.

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  1. Interessant. Doch sehe ich das Inszenieren etwas anders. So ist die von dir genannte Inszenierung nicht immer ein Vortäuschen sondern auch ein Einhalten eines Kommunikationscodes, der es ermöglicht in einer Gesellschaft zu kommunizieren. Es ist auch ein Schutzmechanismus, der eine Gesellschaft davor schützt, durch zu viel Individualismus vor dem drohenden Egoismus geschützt zu sein. Denn was du beschreibst, ist das menschliche Problem der Gradwanderung zwischen kompletter Aufgabe seines Ichs in der Gesellschaft und dem absoluten überstellen des Ichs in einer Gesellschaft mit der Gefahr in einen Egoismus abzutriften, der anderen wiederum schaden kann.

    Die Theorie, dass die Gesellschaft das Ich prägt und formt ist seit langem in der Philosophie zu finden. Doch ist es das schaffen des Ichs, dass diese Verformung verhindert. Aber meines Erachtens nicht das Schaffen eines Ichs, das über allem anderen schwebt ….

    Es ist die Frage, im Einfachen, ob Du Karriere machen willst und in wie weit du dich dafür inszenierst. Wenn das Inszenieren soweit geht, dass du dein eigenes Ich aufgiebst, dann ist es vielleicht immer noch dein Ziel, aber eben das Ziel, dass du nur erreichst, in dem du dich komplett aufgiebst. Es gibt Grauschattierungen dazwischen. Zwischen „Wirtschaftswoche“ und „ehrlichem Antlitz“ liegen Welten… selbst mancher aus der Wirtschaftswoche inszeniert sich nicht, sondern ist so…

    Eine Wertung nur nach eigenem Augenschein vorzunehmen wäre als Bestandteil einer Gesellschaft sehr kurzsichtig. Es geht um das Leben in der Gruppe, der Gemeinschaft. Eine Reflektion ist hier wichtig. Sehr wichtig.

    Die Gleichung „Karriere = Erfüllung“ und somit gleich „Glück kann man doch kaufen“ verstehe ich nciht ganz. Denn eine Erfüllung ist weit weniger als Glück. Auch hier lassen sich einige Philosophen aus, was Glück eigentlich ist und in der individuellenBetrachtung sein kann.

    Die Frankfurter Schule hat indes einen interessanten Blick auf die Gesellschaft und ihren formativen Charakter auf das Individuum geworden. Auch wenn sich die Beteiligten darin nicht immer einig waren.

    Das ich als kritischer Betrachter wäre das stärkere Ich, als das Ich, dass sich über eine Gesellschaft stellt und somit jedem Inidividuum dadruch weiderum Schaden erleiden lassen könnte, durch sein egozentrisches Verhalten.

    Aber interessant. Als Konterpart würde ich Adorno oder Popper lesen…. Jetzt da du Fromm schon hast…

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