juckplotz

Sag nie, was du denkst…

In Allgemein on 25. März 2011 at 16:02

… dies wird sich eine Auszubildende wohl gedacht haben, nachdem ihr Chef ihr gekündigt hatte. Und dies in erster Linie, weil die 19-Jährige das Alter der Freundin des Vorgesetzten auf vierzig Jahre geschätzt hatte, als er ihr ein Foto seiner Gefährtin zeigte.
Die Freundin war zu diesem Zeitpunkt allerdings erst 31 Jahre alt, was angeblich (so der Chef) die Auszubildende wusste.

Die Gekündigte klagte auf Wiedereinstellung, erschien aber trotz Aufforderung nicht zur Gerichtsverhandlung, was in ein Versäumnisurteil mündete.

Jetzt, am 24. März endete die Verhandlung in einem Vergleich: Die ursprünglich zum September ausgesprochene Kündigung tritt rückwirkend Ende November in Kraft. Ausserdem  zudem zahlt der Arbeitgeber noch ausstehende Ausbildungsvergütung von 333,- Euro.

Das Kuriose an der ganzen Sache: Der Chef ist Anwalt für Arbeitsrecht (zumindest wurde es in den Radio Nachrichten so gesagt…) .

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  1. Hm… klingt sehr skuril, der Fall. Wenn es sich um diesen Fall hier handelt http://www.morgenweb.de/region/mannheim/artikel/20110325_mmm0000001427492.html so ist die Kündigung unwirksam (was ja auch irgendwo anzunehmen war), das Ausbildungsverhältnis endete zum November (die Auszubildende hatte inwzischen wieder einen Ausbildungsplatz, daher ging die Klage nicht auf „Wiedereinstellung“).

    Was übrig bleibt: Selbst Menschen, die es wissen müssten (weil studierte Rechtsanwälte) verlieren wohl den Gerechtigkeitssinn, wenn Sie als „Chef“ gerufen werden.

  2. Genau deiner Meinung, Claus. Interessant ist doch, dass „Auszubildende“ gegenüber der „Ausbilder“ eine Fürsorgepflicht hat. Und die endet auch nicht, wenn die jungen Leute über 18 Jahre sind. Die Ausführungen, die der Anwalt laut deinem Link gemacht hat, zeugen nicht unbedingt von einem sehr weisen Zeitgenossen. Ich möchte nicht wissen, was so alles hinter den Türen der Arztpraxen, Rechtanwaltsbüros etc. läuft, was die Behandlung von Azubis betrifft. Man sollte nicht unbedingt bei studierten Menschen auf einen höheren Ethik-Faktor schliessen.

  3. Hier ist so einiges zusammengekommen, was die Richterin am Mannheimer Arbeitsgericht erstmal durchschauen musste:

    1.) Die Auszubildende äussert sich zum Alter der Freundin des Chefs, was dieser als ‚beleidigend‘ empfand

    2.) Im Zuge eines sich daraus entwickelten Streits schlägt der Chef der Auszubildenden drei mal auf die Schulter

    3.) Die Auszubildende bleibt meldet sich nach dem Streit drei Tage arbeitsunfähig

    4.) Der Chef spricht eine fristlose Kündigung aus

    5.) Die Auszubildende klagt gegen die Kündigung, erscheint aber nicht zum Verhandlungstermin. Daraufhin wird ein Versäumnisurteil erlassen. Das bedeutet, dass wenn der Kläger nicht erscheint, die Klage abgewiesen wird.

    6.) Gegen die Abweisung der Klage hat die Auszubildende Klage eingereicht

    7.) In der Verhandlung, die darauf folgte, konnte die Richterin den Gründen des Chefs für eine fristlose Kündigung nicht folgen.
    Auch die in der Verhandlung aufgeführte unzuverlässige Arbeitshaltung wäre nicht für eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung ausreichend.

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