juckplotz

Projekte, die Geisel unserer Zeit?

In Allgemein on 7. Oktober 2010 at 16:55

Sie ist wieder da, die Zeit, in welcher in den Firmen das Budget für das Folgejahr gemacht werden soll. Da wird von den „Team Leads“ und „Department Heads“ erwartet, alle Eventualitäten von 2011 in verschiedenen Projekten abzudecken. Und vor allem soll man heute schon wissen, wie teuer das Projekt wird, was man zur Lösung der Aufgabe an technischen Investmenst und Beratungskosten braucht, ohne dass man überhaupt weiss, wie die Aufgabe überhaupt zu lösen ist.
Was ist eigentlich ein Projekt? Geht es da nur um was Neues? Oder um die Lösung kleiner und grosser Probleme?

Es gab Zeiten, da ist ein Problem aufgetaucht und es wurde gelöst. Zugegeben: Manchmal „hemdsärmelig“ und oftmals hat die Lösung des Problems wieder neue Probleme aufgedeckt oder gar geschaffen. So ist es bestimmt sinnvoll, Probleme heute genau zu analysieren und auch im Konsenz mit anderen Fakten zu sehen.
Und es gibt wirklich Aufgaben, die als richtiges Projekt durchgezogen werden sollten , um eine Zeit-, Kosten- und Ergebniskontrolle zu haben.

Aber: Wenn jede noch so kleine und logische Aktion in den Rahmen eines Projektes gezwängt wird, wo gesunder Menschenverstand schnellund unkompliziert eine Lösung aufzeigt, die binnen kurzer Zeit eingeführt werden kann, dann sehe ich mich auch in der Firma mit einem Bürokratismus konfrontiert, der erst in den letzten Jahren endlich aus den Amtsstuben der Ämter ausgezogen ist.

Bedrohlich wird es, wenn projektgeschädigte Menschen dann am Jahresende sich die Zeit nehmen und sich für das Folgejahr „private Projekte“ vornehmen: Einen Blu-Ray Player kaufen, das Kinderzimmer tapezieren…

Kommt mal wieder auf den Boden der Tatsachen: Das sind Tätigkeiten, keine Projekte. Aber „Projekt: Instandhaltung und Modernisierung eines Aufenthaltsraumes zur Unterstützung der Nachwuchsförderung“ klingt tausendmal besser als: „Schatz, am Samstag räumen wir das Kinderzimmer aus und dann kommen neue Tapeten rein“ , oder?

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  1. Ich muss jetzt lachen, auch wenn dieser Beitrag schon ein paar Jahre alt ist. Bis Anfang des Jahres hab ich das Wort Projekt nicht in den Mund genommen, dann sass ich in der Fachweiterbildung und musste lernen, was Projektmanagement ist, anhand des Beispieles: wir planen einen Familienurlaub. Da dachte ich: mein ganzes Leben ist ein Projekt. Gesund und wirtschaftlich kochen, Kinder gross kriegen, Miete zahlen. Mittlerweile sitze ich in einer Projektgruppe zur „Optimierung der pflegefachlichen Versorung onkologischer Patienten in einem Klinikum der Maximalversorgung. “ Sitze da und denke: Zeitverschwendung? Projektplan, Projektziel, alles klar. Zeitvorgabe usw. passt (hab gelernt wie das geht ) aber: wie wird was dabei rauskommen, wenn 14 Leute eine Stunde lang zuhören, was man machen kann, aber keiner macht? Naja, Projekt läuft noch 6 Monate, vielleicht passiert bis dahin was! Hahahaha! Sehr motiviert grüsst Katrin

    • Liebe Katrin
      Musste erst mal schauen; ja der Eintrag ist ja schon fast sieben Jahre alt. Trotzdem hat sich das alles nicht geändert. Du hast absolut Recht: Ein Projektplan, ein Projektziel und all das, zusammen mit regelmässigen Besprechungen und Abfrage der Meilensteine ist auf jeden Fall bei Änderungen von Abläufen, bei neuen Dingen, bei Optimierungen, die mehrere Stellen und Prozesse betreffen, notwendig.
      Projektanagement ist auch etwas total Interessantes. Mache ich ja auch schon seit vielen Jahren und es macht auch Spaß.
      Wenn aber Problemlösungen und Entscheidungen, die man schnell und durch Einsatz des gesunden Menschenverstandes abwickeln kann, erst in ein Projekt gezwängt werden, dann werden solche Dinge meiner Meinung nach zur Farce.
      Ich brauch kein Projekt „Fensterputzen“, wenn ich es selbst machen kann. Ich weiss, wann ich Zeit habe, was ich schon in meinem Haushalt vorrätig habe und was ich noch kaufen muss. Und den Plan B habe ich auch schon im Kopf , wenn es zur geplanten Fensterputzzeit regnet.

      Auf jeden Fall wünsche ich Dir weiterhin viel Motivation bei Deinem Projekt, denn das klingt wirklich nach einer interessanten Aufgabe und da denke ich, braucht man auch ein Projekt dazu
      Viele Grüsse
      Jörg

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